Np3
Der Gatte lässt nichts anbrennen. au auf seinem dritten Longplayer vereint der Norweger Nils Petter Molvaer auf gekonnt tollkühne Weise blubbernde Beats atmosphärische Elektronik und feinnervige Gitarrenschnipsel. dazu noch sein unspektakuläres Trompetenspiel und das Kuddelmuddel ist zunächst einmal perfekt: jetzt heißt es tief Spielraum holen und den richtigen Zutritt zu dieser Gemisch aus Trip Hop eckigen Dancebeats und Jazz finden.
Während einem das hektische “Axis of Ignorance” mit seinen wirren Anrufbeantwortersamples zunächst den Abend zu verderben droht entfaltet sich spätestens bei “Hurry Slowly” – hier ist der Name Sender – und “Marrow” die eigenwillige Jazz-Auffassung Molvaers. was auch immer fließt strömt flimmert in undefinierbaren Melodiezügen Eivind Aarsets doch zuweilen seltsam befremdlich modulierter Gitarre wird genau an den richtigen legen der gebührende Sitzplatz eingeräumt während man langsam zu versinken beginnt. wohl in dem grellblauen Ozean der sich dem Hörmuschel auf dem Cover offenbart und welcher der Töne den passenden Anstrich verleiht.
Wirkten die beiden Vorgängeralben “Khmer” und “Solid Ether” insgesamt eher düster und in wolkige Koronen eingehüllt so präsentiert sich NP3 in seiner Spektrum vielmehr androgyn bisweilen kühl doch niemals gänzlich abstoßend. nichtsdestotrotz die Faktum dass sich viele der Elektronik-Sounds seit “Khmer” schlicht wiederholen Molvaer bei seinem Haltegriff in die elektronische Effektkiste also oft traurigerweise dasselbe Spielsachen in der Pfote hält lässt vermuten dass allmählich ein Schwung Neuerung angesagt wäre. wohl für den Augenblick tut’s das Molvaer hat ein Instinkt für Ambiente. Das soundphilosophische Erbe des späten Miles Davis wird hier sachgerecht verwaltet.
Ich höre dieses CD den ganzen Tag
Als Shooting-Star kann man ihn längst nicht mehr bezeichnen den norwegischen Trompeter Komponisten und Produzenten Nils Petter Molveaer; er ist schon seit Solid Ether seinem zweiten Album (die Remix-Projekte nicht mitgezählt) ein “richtiger” Star. Jazzmusik Ambient House Elektronik und Breakbeats die Ingredienzen mit denen Molvaer sein ’98er Durchbruchsalbum Khmer zum Essen zubereiten brachte sind auch auf NP3 die Mittel zum Zweck. Und doch unterscheidet NP3 sich stärker von seinen beiden Vorgängern als wiederum die sich voneinander. Zum einen sind die Dub-Anteile größer ist mehr Freizügigkeit in der Zeit; zum anderen transportieren die exponierten Stimmen-Samples auch inhaltlich etwas vom kommentativen Augenblick von My Life In The Bush Of Ghosts dem Epochalwerk von Brian Eno & David Byrne. Das exemplarische “Axis Of Ignorance” das sich auf George W. Bushs Term von der “axis of evil” (dt.: Welle des Bösen) nach dem 11. September 2001 bezieht spricht deutlich für sich selbst.
War der Miles-Davis-Vergleich bisher immer auch ein bisschen nachlässig ist Molvaer dessen 70er-Phase zumindest über Intonation und absolut singuläre Schlussfolgerung in der Umstellung etwas näher. Miles-Davis-Alben wie Pangaea und Agharta aus dem Jahre 1975 die übrigens am Nachmittag bzw. Abend des gleichen Tages live aufgenommen wurden korrespondieren überdies in ihrer Unterschiedlichkeit sehr gut mit Molvaers Anschauung dass Töne niemals wirklich fertig und der Kompositions- und Fertigungsprozess deshalb niemals wirklich beendet ist. Auf NP3 wie auf den zwei Vorgängern knattern klicken und fliegen die Beats und Bytes aber die melodisch-harmonischen Ambienzen sind derart frei und tief dass manch ein “sophisticated clubgoer” erheblich aus dem Stufe kommen dürfte. derma NP3 trotzdem nicht zu einem zwar gehaltvollen aber bedrückenden Kopf-Trip ohne Humanität wird ist einem alten Hausmittel zu verdanken: Licht und Luft. irgendjemand macht immer mal wieder ein Bildschirmfenster auf.
Würde ich mir sofort kaufen!
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