Smile… It Confuses People
Wie beinahe jeder war auch ich von der Debütsingle begeistert. trotz alledem erst beim zweiten Mal durchhören habe ich das Album vollkommen zu schätzen begonnen. Die Texte sind vom ersten bis zum letzten Lied sehr originell kritisch (endlich auch das wieder) nostalgisch aber auch sehr fröhlich.
Die kräftige aber nicht zu aufdringliche Artikulation der Sängerin wird durch drei/vier Instrumente unterstützt und trotzdem schaffen die beiden Komponenten immer wieder Abwechslungsreiches.
Was will man mehr?
Alanis Morissette am Entstehen ihrer Karriere. KT Turnstall. Joni Mitchell. Carole King. An diese Künstlerinnen erinnern die zwischen Folkpop und Rhythm’n'Blues pendelnden zum Fetzen sehr sparsam instrumentierten Songs jener schottischen Sängerin/Gitarristin die angeblich als erste Frau wegen zahlreicher live ins Web übertragener Konzerte von einer großen Plattenfirma unter Vertrag genommen worden ist. Die “von der Webcam ins Rampenlicht”-Story entpuppte sich inzwischen als “Rock’n'Roll-Schwindel” (Guardian) aber das sollte nicht zu einer Vorverurteilung von Sandi Thom und ihren Songs führen.
Die Story war auch zu schön um wahr zu sein: “24-jährige bringt per Webcast 21 Shows aus ihrem Londoner Kellerzimmer in’s WWW Fangemeinde wächst dramatisch Plattenvertrag – Star. womöglich ist dies im Fallen Sandi Thom aber eine PR-Kampagne mit der die Musikindustrie beweist dass sie das Net als Marketinginstrument zwar wahrnimmt aber noch immer glaubt es kontrollieren zu können” (Handelsblatt). zwischenzeitlich hat sich nämlich herausgestellt dass hinter der märchenhaften Berufsweg des mittellosen’ Twens welcher in einem Gospelchor gesungen und sowohl als Keyboarderin/Vocalistin mit einer Coverband als auch Straßenmusikerin getingelt war der schwerreiche schottische Ex-Reeder Angus Sinclair als Entdecker und Impresario steckt. Die berüchtigte Promotion-Firma Quite Great (Mariah Carey Chris Rea) hat die effektive Marketingstrategie konzipiert deren Medien-Hype 2006 für Sandi Thom einen Ein-Millionen-Pfund-Deal über fünf Alben nach sich zog gekrönt vom ersten Sitzplatz in den britischen Single-Charts. dieser Hit I Wish I Was A Punk-Rocker (With Flowers In My Hair) ist auch auf ihrem Erstaufführung enthalten.
Stilistisch schlägt die Musikerin welche Bob Dylan Jeff Buckley Carole King Aretha Franklin sowie Stevie Wonder bewundert bei den zehn Eigenkompositionen (mit knappen 32 Minuten Gesamtspieldauer!) einen gekrümmte Linie von Folkpop bis Rhythm’n'Blues – stets handgemacht und meistens minimalistisch arrangiert. Das ist nichts Neues aber das Altbekannte solide aufbereitet und bisweilen wie bei “Sunset Borderline” durchaus überdurchschnittlich wenngleich Sandis Vorliebe für hohen stimmlich leider dünnen Gesang auf Weile eintönig klingt. “Es genügt natürlich nicht sich auf gute Musik allein zu verlassen” betonte Louise Harris von Quite Great in einem Interview. “Künstler ohne Vertrag müssen zu einem Gesprächsthema aufgebaut werden”. dieser Schottin hatte im Gegensatz zu vielen anderen Kolleginnen eben das Glück dass sie geschickt vermarktet worden ist.
Sandi Thoms vermeintlich ach so wundersamer Berufsweg hat allerdings einen seltsamen Beigeschmack und entbehrt auch einer gewissen Spott nicht. zum einen wird Konsumenten durch die geschilderte PR-Kampagne vorgegaukelt dass selbst heutzutage der Beförderung `vom Tellerwäsche zum Millionär` noch möglich ist. andererseits ist ihr erster Top-Hit das Elegie einer Technik-Skeptikerin die sich jene Zeitpunkt zurückwünscht “als” – Textzitat – “Musik noch wirklich etwas bedeutete und Radioempfänger das Größte war Computer immer noch Angstgefühl einflößten und wir nicht alles wussten!” In ihrem Fallen wäre ohne PC und Net jedoch gar nichts passiert! Thomas Hammerl
Ich höre dieses CD den ganzen Tag
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