Andriessen: Rosa – The Death Of A Composer

Andriessen: Rosa - The Death Of A Composer

Andriessen hat viele langweilige Werke mit Überlänge geschrieben obwohl dieser Minimalismus auf jeden Fall erträglicher ist als jener von Glass oder Riley. dieser Zusammenarbeit mit dem Feind mit Peter Greenaway ist jedoch eine hörenswerte Abweichung auch wenn das Libretto äußerst seltsam ist. Es ist wohl das erste Musiktheaterwerk in dem Aspekte der Zoophilie einfließen und dass einen zweitklassigen Filmmusikkomponisten als Handlungsträger (eher ein Hilfsbegriff den Aktion darf man nicht unbedingt erwarten) aufweist. zuzeiten kommt es einem vor als würde man ein Musical hören (sehr eingängig zum Beispiel die Parole “I had slept with him a hundred ways”) dann wieder ryhthmisch durchorganisiertes Blech und Saxophone haargenau gespielt viel treibender Puls tolle Melodien (ich wollte schon “Songs” schreiben) fast könnte man ein oder zwei Singles (also Nummern) auskoppeln. So einfach die Klangsprache auch ist sie ist originell und entwickelt stellenweise einen angenehmen Sog weil schnelle Ostinati eben einfach wach halten und Spaß machen. Ja richtig gelesen: Spaß! Kommt bei Neuer Musik eher selten vor.

Wünsch ich mir schenkt es mir

Gewisse Komponisten haben schon ein seltsames Schicksal erlitten angefangen bei Lullys tödlicher Fußinfektion — er stach sich beim Taktschlagen in denselben — bis zum zufälligen Tod Anton Weberns bei einem Schusswechsel (oder war es ein mörderisches Komplott?). dieses Faktum ist nur eins unter vielen Samenkörnchen die schließlich in dem erfundenen Sinken aufgingen der sich in Rosa: The Death of a Composer (re)präsentiert. Es ist dies der erste aus einer fortlaufenden Aufeinanderfolge einer Gemeinschaftsarbeit zwischen dem führenden holländischen Avantgardekomponisten Louis Andriessen und dem Spielleiter und Librettisten Peter Greenaway. Das Resultat ist ein regelrechtes dramaturgisches Überraschungsei vielschichtig mit Eigenbezügen — und offengestanden zu komplex um eben mal bequem zusammengefasst zu werden — in dem es aber um Hippophilie geht um falscher Gebrauch in einer Zuordnung geometrische Obsessionen in der jede Stapel Nacktheit vorkommt sowie altmodische Wildwestfilm und das von der schlüpfrigen und trügerischen Natur der Kunstfertigkeit an sich handelt. Greenaway hat auf Sockel der ursprünglichen Bühnenproduktion von 1994 tatsächlich einen Belag geschaffen — aber selbst ohne seine stilisierten Bild- und Textströme kommt die bizarre und fesselnde Qualität dieser in ihrer Art so einzigen Singspiel auf Nonesuchs Erstaufnahme perfekt herüber. Andriessens Noten — die der Richtung zur stilistischen Voraussagbarkeit immer zuvorkommt — ist eine faszinierende Mix aus nervösem Minimalismus wilden rhythmischen Verschiebungen à la Strawinsky eisigen Harmonien die sich zu giftigster Klima verdichten halb Jazz und halb höchster Operngesang. Am beeindruckendsten aber ist wie Andriessen jegliche Konsistenz von standardisierter postmoderner Persiflage vermeidet sonst der übliche Glanzleistung sondern stattdessen tatsächlich eine absolut glaubwürdige Klangwelt schafft die die einzigartige Vermischung der Roman aus Burleske und Bedrohlichkeit unterstreicht. Die langjährigen Andriessen-Interpreten Reinbert de Leeuw und das Schönberg-Ensemble verleihen der Stimmen eine beißende und verstörende Schulnote während Marie Angelgerät die an sie gestellten ungeheuren Anforderungen (nicht nur stimmlicher Art) ohne ins taumeln zu geraten übertrifft. Der Antiromantiker Andriessen ist als Komponist ganz ernsthaft weit unterschätzt — ihm fehlt einfach der Starglamour eines Glass oder reich — seine eindringlich bohrenden musikalischen Visionen aber sowie ihr Sitz in der Musikkultur (wie in De Materie) eröffnen Labyrinthe die entdeckt werden wollen.

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